Klaus Groth: Einführung


„Immer noch gilt das Erscheinen des Gedichtbandes Quickborn - Volksleben in plattdeutschen Gedichten in ditmarsischer Mundart (1852) von Klaus Groth als Beginn der neuniederdeutschen Literatur.“
(Krogmann/Lindow, S. 173)

Zwar waren vor 1852 plattdeutsche Werke erschienen, darunter jedoch wenige bemerkenswerte. Klaus Groths Quickborn wirkte dann wie ein Weckruf. Jeder Verleger weiß, dass gute Lyrik sich schlecht verkauft. Die ersten Auflagen des Quickborn waren jedoch sofort nach Erscheinen vergriffen (insgesamt wurden 15.000 Exemplaren gedruckt). Die literarische Aufmerksamkeit richtete sich auf die plattdeutsche Sprache, der Autor wurde berühmt weit über Schleswig-Holstein hinaus, er erhielt Ehrungen wie den Ehrendoktor in Bonn. Und in Dithmarschen selbst nannte man den Quickborn "Dat Book", so wie sonst nur die Bibel. Viele Gedichte wurden vertont (insgesamt gibt es über 500 Vertonungen), von bedeutenden Komponisten wie Johannes Brahms, aber auch z. B. dem Philosophen Friedrich Nietzsche. Viele dieser Vertonungen wurden fester Bestandteil von populären Liedersammlungen.

„In Quickborn werden die poetischen Möglichkeiten einer neuniederdeutschen Mundart erstmalig in umfassender Weise verwirklicht.“ (Bichel: Quickborn). Die plattdeutsche Literatur erlebte einen „Boom“ und musste sich an Groths Werk messen lassen.

Auch in einer anderer Hinsicht war Klaus Groth bahnbrechend. Zusammen mit dem Kieler Prof. Karl Müllenhoff schuf er eine neue, konsistente Schreibung des Niederdeutschen. In dieser Einführung werden die Texte in der originalen Schreibweise von Klaus Groth wiedergegeben.

Klaus Groth wurde 1819 in Heide in Dithmarschen geboren und lebte hier bis 1847. Dithmarschen, an der nördlichen Mündung der Elbe gelegen, war ein "vergessenes" Land, schlecht zu erreichen (die Straßen wurden erst nach 1848 ausgebaut), der größte Ort Heide hatte 1841 5.284 Einwohner, es gab keinen größeren Hafen, die industrielle Revolution war noch nicht angekommen. Es war ein abgelegenes, beschauliches, ländliches Gebiet.

Das Leben in diesem Land schildert Klaus Groth im Quickborn und in seinen Erzählungen. Wir werden also Facetten des Dithmarschen der Zeit um 1840 - durch die Augen des Dichters gesehen - kennen lernen. "Schritt für Schritt baut sich [..] das Bild des Dithmarscher Volkslebens auf, mit seinen Alltagsmenschen, seinem Familienleben, seinen Berufen, seinen auffallenden Randtypen, dann aber auch Einzelschicksale, der Geschichte, der Volkssage, dem Volksliedton und der Spruchweisheit". (Cordes 1952, S. 318)