Schreibung:
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Klaus Groth




Meine Muttersprache, wie klingst du schön!
wie bist du mir vertraut!
Wär´ auch mein Herz aus Stahl und Stein,
du triebst den Stolz heraus.

Du beugst meinen starren Nacken so leicht,
wie Mutter mit ihrem Arm,
du kosest mir ums Angesicht
und still ist aller Lärm.

Ich fühle mich wie ein kleines Kind,
Die ganze Welt ist fort.
Du hauchst mir wie ein Frühlingswind
Die kranke Brust gesund.

Mein Opa faltet mir noch die Hände
Und sagt zu mir: Nun bete!
Und „Vaterunser“ fang ich an
Wie ichs wohl früher tat.

Und fühle tief: Das wird verstanden.
So spricht das Herz sich aus,
Und Ruhe vom Himmel weht mich an,
Und alles ist wieder gut.

leicht überarbeitet nach:
Klaus Groth: Quickborn : Volksleben in plattdeutschen Gedichten ditmarscher Mundart ; mit einer wortgetreuen Übersetzung und einem Vorwort für hochdeutsche Leser. - unter Autorität des Verfassers herausgegebene 5. verm. u. verb. Aufl., 1. mit e. Übers. - Hamburg : Perthes-Besser & Mauke, 1856. - XXVIII, 574 S. - 1,78: ʼXXVIII, 374 S.ʼ.