Plattdeutsch auf den (See-)Hund gekommen

(Thema des Tages vom 27.03.2020)



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Seehund heißt heute im Plattdeutschen meist wie im Hochdeutschen Seehund. Das war nicht immer so. Weder im Hochdeutschen noch im Plattdeutschen ist das Wort auf See zurückzuführen.
Zur Etymologie: Aus einem heute unbekannten Wort der Sachsen der Völkerwanderungszeit für Seehund, das sie im 5./6. Jh. aus Schleswig-Holstein nach England brachten, wurde das Angelsächsische / Altenglische seolh. Und daraus englisch seal.
Die Sprache, der in Norddeutschland verbliebenen Sachen wird erst im 9. Jahrhundert greifbar. Im Herzogtum Sachsen, also dem Altsächsischen, heißt der Seehund selah. Viele Jahrhunderte später, im Mittelniederdeutschen wird daraus sel, sēle, auch sāle. Irgendwann werden beide Bezeichnungen mit Hund verbunden: sēlhunt, sālhunt.
In Köln, Stadt der Hanse, die aber nicht dem niederdeutschen Sprachbereich angehört, wird daraus seehont (1495 belegt). Ein Missverständnis, weil man mit dem niederdeutschen sēl nichts anzufangen wusste, wohl aber seinen Lebensraum kannte, und so den Hund einfach mit der See verband. So kam das Hochdeutsche auf den See-Hund.
Im niederdeutschen Sprachgebrauch bleibt lange Saalhund die gängige Bezeichnung für den Seehund. So kennt ihn Klaus Groth und auch im SASS-Wörterbuch findet er sich noch.
Heute allerdings ist unter dem großen Einfluss des Hochdeutschen Seehund die häufigste Bezeichnung. Viele plattdeutsche Wörterbücher kennen nur noch ihn.
Vgl. Seehund und Saalhund im DWN