Neu: Frank Hethey: Dat dat dat geev

(Thema des Tages vom 03.02.2020)



Geschichte des Plattdüschen Kring (Bremen) 1948 bis 2016

„Kaum mehr vorstellbar ist heute noch, wie viele Menschen der Plattdütsche Kring in den frühen Nachkriegsjahren auf die Beine brachte. Beim ersten Thing im Frühjahr 1949 säumten mehr als 100.000 Schaulustige die Straßen, als sich der Festumzug quer durch die Innenstadt zur Bürgerweide wälzte. Es herrschte Volksfeststimmung, nur mit einiger Mühe konnten Polizisten und Ordner die Massen in Zaum halten. Als willkommene Aussichtspunkte dienten Trümmerhaufen und Ruinen, sogar auf dem zerstörten Opernhaus am Wall wurden Zuschauer gesichtet. „Vergessen waren die Nöte des Alltags“, schrieb der WESER-KURIER. Und ergänzte in Anspielung auf die angeordneten Jubelparaden im „Dritten Reich“: Niemand habe dazu befohlen, an diesem Tage seien „die Bremer mit Kind und Kegel freiwillig“ erschienen.

Nach mehr als 70 Jahren hat sich der Kring – das plattdeutsche Wort für Kreis – nun endgültig aufgelöst. Bei der letzten Mitgliederversammlung fand sich am Montag im Klatte-Hoff in Oberneuland eine überschaubare Runde aus elf Getreuen zusammen, um den Verein feierlich zu Grabe zu tragen. Noch einmal wurde dem Vorstand Entlastung erteilt, dann hob Hausherr Gerd Meier, Vorsitzender des Heimatvereens Oberneeland und zusammen mit dem früheren Kringbaas Frerk Möller einer der beiden Liquidatoren des Kring, sein mit Kräuterschnaps gefülltes Glas. Mit den Worten „Friede seiner Asche“ gab er dem Kring einen letzten Gruß mit auf den Weg."
Frank Hethey in weser-kurier.de 25.01.2020

Wer sich für die Geschichte des Instituts für niederdeutsche Sprache interessiert, insbesondere in der Zeit kurz bevor die vier norddeutschen Bundesländer ihm die finanzielle Unterstützung entzogen, findet Material im Kapitel 3.3: Der Kring und das Institut für niederdeutsche Sprache: Eine komplexe Beziehung von 1972 bis 2017.