Gedichte und Lieder: Alwine Wuthenow


Still! Keine dörft dat weiten!



Wat Mähning sich un Floth so sachting dauhn vetellen,
Wat Leiwes möt dat sin, wat Heimlichs möt dat gellen,
Denn ümme, wenn bettau dei lütten Wellen fleiten,
So hühr ik s´ tuscheln lies´: „Still! Keine dörft dat weiten.”

Wat Fründ Abendwind redt mit dei grönen Bläder,
Dat is kein blot Gedrähn vun ´t wunnerschöne Weder,
Nee, nee! Sei reden Leiws, sei reden Heemlichkeiten,
´T is ok dat olle Leed: „Still! Keine dörft dat weiten.”

Un in dat Vagelnest hier baben in dei Rüste
wat is doar för ´n lies´ Geklucke un Geflüste?
Vestellt Jug, as Ji willt, ik weit, wat dat sall heiten,
Un piept man noch so lies´: „Still! Keine dörft dat weiten.”

Dei dummen Blömer sülwst, sei känen ´t ok nich laaten,
Sei ranken dicht tausam, sich leiwing ümtaufaaten,
Sich liesing säuten Duft enanne tautaugeiten
Mit Flüstern un mit Kuß: „Still! Keine dörft dat weiten.”

Un Du, mien hartleiwst Ros´, deiht sich Dien Hart nich rögen?
Willst Du dei säute Lipp nich tau mien Lippen bögen?
Wenn Alln´s in Leiw genütt, wist Du denn nich geneiten?
Kumm. kumm! doch lies´ ganz lies´! Denn keine dörft dat weiten.


Quelle: En por Blomen ut Annmariek Schulten ehren Goren, 1858, S. 195 f.